Ein Vierteljahr auf Palawan

Liebe Leserinnen und Leser,

heute ist der erste Advent,img_1816 draußen sind es 31° und wir haben blauen Himmel.

Fotos vom weihnachtlich geschmückten Rathaus von Puerto Princesa City

Jetzt sind wir ein Vierteljahr auf der Insel Palawan und mich überkam das Bedürfnis, ein Resümee zu ziehen. Aber das ist leichter gedacht, als getan. Denn da gibt es so einen kleinen Schalk in meinem Hinterkopf, der mich ständig auf die schwierigen Aspekte des hiesigen Lebens hinweisen will. Ist das der „BesserWossi“ in mir?

Das fängt mit dem Warten an: Warten, dass die Daten endlich mal durch das Internet trudeln, Warten an der Kasse, weil die Verkäuferin den Kreditkartenbeleg dreimal ausdruckt, zweimal beschriftet und dann auch noch von Hand in die Kasse eingibt, Warten in der Gaststätte auf das Essen, weil der Pizzaofen wohl zu klein ist, um alle Pizzen gleichzeitig zu backen…

Und dann das Bauen: überall sind unfertige Häuser zu sehen und ich frage mich, bauen die Menschen weiter, wenn sie wieder Geld haben, wenn die Baustoffe günstig erhältlich sind, wenn sie die Lust am Bauen überkommt? Die dicht bei unserem Haus vorbeiführende North Road wird zur Zeit verbreitert und bekommt Kanalisation und Fußwege. Wenn ich den Bauarbeitern zusehe, sind sie wirklich fleißig und arbeiten tagtäglich hart in dieser Hitze. Aber die dicken Betonkanalisationsröhren werden unter den Betonfußwegen verlegt, die zur Stabilität ein Stahlgeflecht in sich haben. Was, wenn mal eine Röhre bricht? Dann muss sicher der Presslufthammer ran… Aber – naja – zum Thema Bauen / Straßenbau muss ich als Berliner sicher nicht auf dem hohen Ross sitzen. Wie oft werden unsere Straßen von der Telekom aufgebuddelt, verschlossen und 10 Tage später von den Wasserbetrieben erneut geöffnet.

Es gibt so viele Themen, es lohnt sich zum Beispiel nicht, Handynummern von Einheimischen ins Adressbuch zu speichern, weil sich diese sowieso wöchentlich ändern (warum?, vielleicht, weil es einfacher/billiger ist, sich jedesmal, wenn das Guthaben alle ist, eine neue SIM-Karte mit Promoguthaben zu besorgen?).

Aber sind die Menschen deshalb unglücklich bzw. unzufrieden? Manche vielleicht, wir haben uns im „Paradies ElNido“ mit einigen Philippinos unterhalten, die die Zustände hier im Land nicht aushalten (als Gründe werden dann folgende Themen genannt, mit denen ich allerdings bisher nicht in Berührung kam: Korruption, Langsamkeit, Desorganisation, Unzuverlässigkeit…) und deshalb im Ausland arbeiten (USA, Hongkong, Europa, Arabische Emirate, u.s.w.) und von dort viel Geld an die Familien zu Hause schicken und zum Urlaub dann natürlich in die Heimat reisen. Laut Wikipedia leben 10% aller Philippinos im Ausland (über 10 Millionen).

ABER: diejenigen, die hier bleiben, wirken nicht unzufrieden oder unglücklich. Egal, wo ich jemandem begegne und ins Gesicht schaue – ich erhalte ein freundliches Lächeln. Das habe ich in Deutschland eher selten erlebt 🙂

Wenn die oben genannten Dinge überhaupt für jemanden ein Problem sind, dann für mich, der nur auf Zeit hier ist, der genug Geld hat, um sich im Supermarkt europäische Nahrung zu kaufen, der seine Interneterwartungen aus einem Berliner DSL 50 Anschluss speist und der eigentlich zu groß gewachsen ist für Tricycles und Multicabs.

Und dann werde ich demütig und mir fällt die Anekdote von Heinrich Böll zur Senkung der Arbeitsmoral ein.

Fotos vom blauen Himmel hier und von schönen Pflanzen

Wir planen inzwischen schon die nächsten Etappen unserer Reise. Die Unterkunft in Sydney ist gebucht, ebenso das Quartier für die Ankunft in Auckland sowie das Auto für die Zeit in Neuseeland.

Jimmys Sprachschulzeit und Freiwilligeneinsatz in Costa Rica sind auch verabredet.

Für die Quartiersuche in Canada müssen wir erst noch eine Gastschule für Caro finden, um zu wissen, wo wir uns dort ansiedeln werden, aber in einem Forum zu Ostcanada chatte ich schon eifrig mit Torontarians.

Ein Gedanke zu “Ein Vierteljahr auf Palawan

  1. Lieber Herr Heine,
    in den zwei vergangenen Tagen war nun die Abschlusstagung der Test-AG hier in Görlitz und natürlich waren auch Sie und die „schwimmenden Schildkröten“ im Gespräch – herzliche Grüße von allen und den Wunsch von weiterhin behüteten Wegen gebe ich hier an Sie weiter!

    Hier ist nun auch alles schon adventlich geschmückt und in Bus und Bahn gibt es heute kleine Nikolausgaben. Anders und trotzden sehr hübsch anzusehen der Adventsschuck auf Palawan!

    Genießen Sie und Ihre Familie die letzten Tage dort und kommen Sie alle gut und gesund an Ihr neues Ziel!
    Wir freuen uns, bals wieder von Ihnen zu lesen und zu sehen,
    herzlich aus Görlitz
    Birgit Finke

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