Abschied und Aufbruch

Vorgestern haben wir die Insel Palawan verlassen.img_2690

Bevor ich das Flugzeug nach Cebu -unserem Zwischenaufenthalt vor dem Weiterflug nach Sydney – bestieg, dachte ich eher nach vorn – was wird uns in Ozeanien erwarten? Aber als der Flieger auf der Rollbahn am Zaun zum National Highway vorbeifuhr und ich die Straße sah, von der aus ich oft beim Vorbeifahren mit einer kleinen Sehnsucht auf das Rollfeld zu den Fliegern geschaut habe, überkam es mich mit einem mal sehr – das Gefühl der Traurigkeit, die Insel Palawan zu verlassen, die uns für 5 Monate eine wunderschöne, abenteuerliche und friedvolle Heimat gewesen war.

Zur Zeit lese ich ein Buch, welches von etwas handelt, das schon über 30 Jahre zurückliegt. Es geht um den Kirchlich Diakonischen Lehrgang (KdL) in der Stephanus Stiftung in Berlin Weissensee, in dem ich einen Teil meiner Diakonenausbildung ab 1977 absolviert habe. Vor unserer Abreise entstand als Projekt meiner Schwestern- und Brüderschaft des Johannesstifts ein Buch, um das Vergessen dieser Phase unserer Gemeinschaft zu verhindern, die für Hunderte dort Ausgebildete sehr wichtig war. Ich durfte bei der Entstehung dieses Buches mit helfen und aus der Tastatur von Margit Herfarth entstand „Diakon wurde man, weil man anders war“. Der darin nachzulesende Rückblick auf die Jahre zwischen 1952 und 1991 hat viel mit meinem Leben zu tun und deshalb nimmt er so viel Platz am Beginn dieses Blogbeitrages ein (wer die Gelegenheit hat, das Buch mal in die Hand zu nehmen, wird darin auch einige Zeitzeugenzitate von mir finden, die mir ob ihrer Ausdrucksform zwar etwas genant sind, aber dazu stehe ich: Gesagt ist gesagt ;-).

Dieser Rückblick veranlasst mich, jetzt noch einmal einen kleinen Rückblick auf die Zeit in Palawan zu starten.

Beginnen möchte ich beim Verkehr.

Dieses Thema hatte ich ja öfters in meinem Blog behandelt. In meiner Erinnerung wird bleiben, dass es meist sehr entspannt war. Selten fährt man schneller als 70 km/h, alle nehmen auf einander Rücksicht, links abbiegen bzw. aus einer Einfahrt kommen bei hohem Verkehrsaufkommen ist gar kein Problem, denn schon bald kommt jemand, der extra für einen anhält und auch der Gegenverkehr hält bereitwillig an, so dass man sich in den Verkehr einfädeln kann. Man muss nur bereit sein, zu akzeptieren, dass die Verkehrsregeln, Verkehrszeichen und Straßenmarkierungen eher „Guidelines“ sind, wie mir eine US Amerikanerin erklärte. Und Hupen ist keine Form der pädagogischen oder rechthaberischen Maßregelung der anderen Verkehrsteilnehmer, sondern ein freundliches „Aufsichaufmerksammachen“. Allerdings schränke ich nach unserem gestrigen Ausflug mit dem Taxi vom Hotel zur Innenstadt von Cebu und zurück ein, dass diese Erfahrung wahrscheinlich wirklich nur für die Insel Palawan gilt!

Autofahren kann man natürlich nur, wenn man einen fahrbaren Untersatz hat. Über unseren Van habe ich ja schon an anderer Stelle geschrieben, er hat uns Weihnachten verlassen. Wir hatten jetzt im Januar einen kleinen Allrader (Suzuki Jimny), der uns gute Dienste geleistet hat (auch in unserer Gabuco Road, die durch die häufigen Regenfälle immer mehr den Charakter eines Flussbettes bekommen hat). Wir sind in den letzten 14 Tagen noch über 800 Kilometer (das ist für eine eher kleine Insel wie Palawan viel) durch die Insel gefahren.

Einer unserer Ausflüge führte uns nach Aborlan. Dort studiert der Mann der Nichte meiner Frau. Es liegt im Süden der Insel, den wir bisher wegen der Reisewarnungen noch nicht besucht hatten. Auf dem Weg dorthin fährt man durch wundervolle Akazienwälder und bei einem Stop trafen wir 2 Männer, die mit dem ursprünglichen Transportmittel, dem Wasserbüffel mit Schlitten, unterwegs waren.

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Ein weiteres Thema sind die Tiere, die uns begegnet sind. Neben den Wasserbüffeln waren es vor allem kleine und ganz kleine Tiere, an die ich mich erinnern werde. In unangenehmer Erinnerung bleiben die Hunde und Hähne, die in unserer Nachbarschaft ständig abwechselnd um die Wette kläfften und krähten. Bei einem unserer letzten Besuche in der Mall in der Malvarroad konnten wir sogar einem Hahnenkampf (von Ferne) zusehen. Gern denke ich an die Begegnungen mit den verschiedenen Echsen zurück, den kleinen Butikis, den mittleren Tokkos sowie den großen Waranen, die einfach nur interessant zu beobachten waren. Vor Caroliens Zimmer konnten wir sogar live verfolgen, wie ein Tokko einen Frosch gefangen hatte und verspeisen wollte. In meinem Bad fand ich eines Morgens einen Skorpion und von den Spinnen gibt es hier im Blog auch schon Bilder. An die Insekten denke ich eher nicht so gern zurück, auch weil die Moskitos als Träger der Malaria eben nicht nur durch ihre Stiche bemerkbar sein können. Jemand aus unserem Bekanntenkreis hat während unseres Aufenthaltes Malaria bekommen, doch er konnte rechtzeitig behandelt werden und jetzt geht es ihm wieder gut. Viele Vögel sowie die unzähligen Meerestiere bleiben dagegen gern in meinem Gedächtnis mit Palawan verbunden.

Backen ist ein Thema, welches mir als Enkel und Neffe etlicher Bäcker wichtig war. Nachdem ich es endlich geschafft hatte, die israelische Hefe mit dem philippinischen Mehl zum Gehen zu bringen, kam ich mit der Hitze in unserem Gasbackofen nicht klar. Lange dachte ich, das hiesige Gas würde die notwendige Hitze nicht erzeugen können, bis ich zum Ende begriff, dass die Einstellung des Reglers einfach da, wo ich die kleinste Wärme  vermutete, die größte Hitze erzeugte. Die Abschiedspizzen sind jedenfalls gelungen.

Die Begegnungen mit vielen Menschen zählen für mich zum Wesentlichsten unseres Aufenthaltes auf Palawan. Dazu zählen die Freunde und Familie der Nichte meiner Frau, die uns hier bei allem begleiteten, halfen, anregten und mit uns sprachen. Dazu gehören die Menschen in der Schule, die unsere Kinder in dieser Zeit besucht haben. Dazu zählen die Menschen in den Gottesdiensten, die wir in Bahile, in der Kathedrale und zum Ende im Canvas Hotel besucht haben. Aber auch die Begegnungen auf der Straße, in Cafes und Restaurants, in Läden und Malls, beim Arzt und in Behörden waren meist wunderbar und bleiben mir in so guter Erinnerung, dass ich sie bald vermissen werde.

Ein besonderes Abenteuer war eine Übernachtung im Navacopahport, bei der die Nachtluft erstaunlich frisch war. Vor der Nachtruhe gab es ein typisches gemeinsames philippinisches Abendessen und die Stimmung im Dschungel war sehr beeindruckend.

Diesem Spruch bin ich auf der Herrentoilette einer Schule begegnet. img_2555

Sinngemäß übersetze ich es mit: Es gibt keinen Weg zum Frieden – Frieden ist der Weg.

Zum Ende unseres Aufenthaltes wurde die Lichtenbergfahne, die im Treppenhaus hing (ein Reiseabschiedsgeschenk unserer Berliner Nachbarn) eingeholt.  img_2599Alles gekaufte Mobiliar sowie der Hausrat wurde auf einem Transporter verstaut und zum Navacopahport gebracht.

Das letzte Wochenende verbrachten wir im Microtel von Puerto Princesa. Dort wollten wir uns in Ruhe auf die bevorstehenden Flüge einstellen und von Palawan Abschied nehmen.

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Bei diesen Tieren im Hotelzimmer braucht man natürlich keine Sorgen zu haben. Und auch das Wetter zeigte sich bei Sonnenauf- und untergängen von seiner besten Seite.

Dieses Hängemattenfoto sende ich als Gruß an die lieben Kolleginnen im Meldewesen 😉img_2635

Ich habe es also wieder getan.

Am 29.Januar war dann der Abschied von Palawan.

Der Flieger nach Hongkong musste wegen des Ausbruchs vom Vulkan Mayon einen Bogen fliegen.

Ein Gedanke zu “Abschied und Aufbruch

  1. Lieber Herr Heine,
    wie immer macht es viel Freude, Ihnen durch die fremden Welten zu folgen, neue Blickrichtungen zu bekommen und einfach auch nur die Fotos zu genießen!
    Danke für den speziellen Gruß aus der Hängematte- genießen Sie es!!! – wir knabbern uns tapfer durch!
    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie von Herzen ein gutes, gesundes Ankommen in einem neuen Zuhause, mögen Menschen, Tiere und das Wetter es gut mit Ihnen meinen und seien Sie herzlich gegrüßt aus einem ewig naßkalten Görlitz
    von Birgit Finke

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