3. Woche – Kapi Kapi (zu Gast bei den Maleku)

Ursprünglich war geplant, dass wir (Claudia & Jörg) uns für drei Wochen zurückziehen, wenn wir Jimmy und Caro zu ihren zeitweiligen ‚hogar‘ (spanisch für Zuhause) gebracht haben. Wir fühlten uns nach Neuseeland und Los Angeles reisemüde (und auch die Reisekasse sehnte sich nach einer Pause ;-).

Aus dem Grund hatte Claudia bei ihrer Kollegin angefragt, ob es eventuell in Costa Rica ein Projekt gibt, in dem wir uns etwas einbringen (und vielleicht mithelfen) können. Auf diese Weise kamen wir zu Dawid. Er gehört zum Volk der Maleku (auch ein ursprüngliches Volk hier in Costa Rica), welches im Norden nahe der Grenze zu Nicaragua lebt.

Während der Anreise sahen wir einen Berg, der eigentlich nur der Vulkan Arenal sein konnte. Uns war erzählt worden, dass man ihn nur sehr selten in voller Größe sehen kann und dass er das typische Vulkandesign der Kinderzeichnungen hat. Schliesslich kamen wir nach über 4 Stunden Busfahrt in San Rafael de Guatuso an.

Wir waren sehr neugierig auf unseren zukünftigen Gastgeber, das Zuhause und die Gegend. Dawid holte uns vom Bus ab und wir liefen über eine Kuhkoppel zu seinem Haus. Nach dem ersten Ankommen stellte sich bei uns Erleichterung ein. Dawid sprach auch Englisch, sein Haus hatte ein festes Dach und die Kühe waren erst einmal nicht zu sehen.

Dawid ist Maleku mit Herz und Haar und er tut viel dafür, um die Kultur seines Volkes am Leben zu halten. Deshalb reiste er auch am Tag nach unserer Ankunft nach San José, um in der Woche auf einer Art Kulturmesse die Tradition der Maleku vorzustellen. Seine Familie, in deren unmittelbarer Nachbarschaft wir wohnten, war etwas unsicher, ob ohne Dawid überhaupt eine Verständigung möglich sein würde, aber wir konnten sie mit unserem ehrlichen Bestreben, Spanisch und Maleku zu lernen sowie mit Hilfe elektronischer Übersetzungswerkzeuge überzeugen, es mit uns zu versuchen.

Zum Kennenlernen zeigten sie uns die Tiere des Hofes, wir ernteten mit ihnen Zitronen, Guava und Guama. Dabei sahen wir auch eine Sabanera Schlange, die zwar ungiftig, aber ziemlich lang und vor allem sehr schnell war. Da die Temperaturen tagsüber auf über 30 Grad stiegen, brauchten wir öfters eine Pause im Schatten. In den Pausen redeten wir immer wieder mit Dawids Schwestern sowie dem Schwager Jose und dem Papa Lionel, was zwar mangels unserer fehlenden Spanischkenntnisse nicht einfach, aber dank gutem Willen, mit Gesten und Händen, iPhoneApp und Google, Wörterbuch und Zeichnungen trotzdem möglich war. Die Themen waren wirklich breit gefächert und handelten von der Geografie Europas und Amerikas, von Erdbeben und Vulkanen, den Arbeitswelten in Costa Rica und Deutschland, Tieren und Pflanzen und Reisen. Wir stellten mehrfach fest, wie in sich ruhend unsere Gastgeber auf uns wirkten und versuchten einige ihrer Malekubegriffe zu lernen. Mein Lieblingsbegriff ist „Kapi Kapi“ und das steht für „alles ist gut!“ Da alle mit meinem Namen Probleme bei der Aussprache hatten, wurde ich umbenannt in Senor Muerra, das ist der Malekubegriff für Bigfoot.

An einem Tag versuchten wir dabei zu helfen, Erde vom Flussufer zu den Eingängen der Ställe zu bringen, damit das für den kommenden Mai erwartete Hochwasser nicht eindringen kann, aber ich kam schneller als erwartet ans Ende meiner körperlichen Kräfte. Dawids Papa, der noch 5 Jahre älter ist als ich (und dessen Geburtstag wir am Sonntag mitfeiern durften), hatte wesentlich mehr Durchhaltevermögen als ich. Er sagte mir immerzu, ich solle Pause machen und mein Herz schonen. Schließlich hatte ich die Idee, die Schubkarre nur 2/3 zu füllen und konnte so auch noch etwas mithelfen. Nach 2 Tagen – an denen wir aber jeweils nur 3 Stunden am Vormittag gearbeitet hatten – war die Aufgabe erledigt.

Bei einer anderen Arbeit saß ich lieber gleich am Rand und schaute zu, wie Dawids Pferd gepflegt und behuft wurde. Mit wurde angeboten, dass frisch beschlagene Pferd zur Koppel zurück zu reiten, aber ich lehnte dankend (unter Verweis auf meinen instabilen Rücken) ab. Ich hatte auch etwas den Eindruck, dass die Männer eventuell ihren Spaß mit mir haben wollten. Die Männerthemen, die während der Arbeit zwischen den Zuschauern sowie dem ‚Pferdepfleger‘ behandelt wurden, waren sicher kaum von europäischen zu unterscheiden (ja, es ging natürlich auch um Frauen…).

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Claudia und Sonja

Claudia gab sich in der Zeit einer Kunst der Maleku hin, dem Masken bemalen.

Einige Schwestern Dawids sind echte Meisterinnen dieser Kunst. Alles wird in Handarbeit erstellt und gefällt mir sehr gut! Im krassen Gegensatz zu dieser echten Handwerkskunst steht im Ort San Rafael eine sehr merkwürdige Statue, und als ich Dawid darauf ansprach, reagierte er ziemlich mißgelaunt. Dieses sogenannte Denkmal soll wohl tatsächlich auf die Maleku Geschichte hinweisen, wurde aber weder mit den Maleku geplant noch von ihnen gut geheißen. Dawid hatte den Verantwortlichen angeboten, umsonst ein eigenes Werk zu erstellen, aber es führte kein Weg hin. Dieser Betonklotz hat übrigens 10.000$ gekostet.

Sonja, Dawids Mutter, kochte an einem Abend auf Malekuart Fisch (Maleku: Mafuriseca) für uns, welcher im offenen Feuer, umhüllt von einem Bananenblatt, gegart wurde. Es war sehr lecker. Mit ihr unterhielten wir uns auch an einem Vormittag über Gott, Verwandtschaft, Kinder, Krankheiten und ärztliche Versorgung. Da merkten wir schnell, dass auf dem Land auch nicht alles eitel Sonnenschein ist, aber Sonja scheint trotzdem eine Einstellung zu haben, die es ihr ermöglicht, damit zu leben. Lionels Geburtstag wurde am Sonntag auf dem Hof im Rahmen eines Gottesdienstes, zu dem der Methodistenpastor kam, gefeiert.

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Fischkunst

Dieser Fisch hängt in Sonjas Küche und gibt ihr angenehme Gefühle. Außerdem symbolisiert er ihr Lieblingsessen.

Obwohl wir uns vorgenommen hatten, drei Wochen bei Dawid und seiner Familie zu leben und es hier auch noch viel Interessantes zu erleben gebeten hätte (im Fluss baden, mit Dawid angeln, Brüllaffen beobachten – wir hörten sie jeden Morgen!), wurde nach einer Woche in uns die Reiselust wieder so stark, dass wir nach 8 Tagen Abschied von Dawids wundervoller Familie nahmen.

Der Berg (Arenal) rief nach uns…

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