Sainte-Marie among the Hurons

Eine der ersten Stationen, die wir auf unserer Reise gen Westen besucht haben, heißt Sainte-Marie among the Hurons und liegt in der Nähe von Midland. Es handelt sich um den Nachbau einer Missionsstation der Jesuiten im Land der Wyandot in der Form eines lebenden Museums. Das bedeutet, dass überall auf dem Gelände Personen in zeitgenössischer Kleidung ihren Beschäftigungen wie Schmieden, Mokassins herstellen oder der Holzbearbeitung nachgehen und auch gern Auskünfte erteilen.

Wir erhielten beim Betreten des Geländes jeder einen Audioguide in deutscher Sprache und waren alle so damit beschäftigt, den Ausführungen zu lauschen, dass niemand daran dachte, sein Smartphone zu zücken und Fotos zu machen. Aus dem Grund ist dieser Blog optisch etwas einseitig und nur mit Links angereichert (klickt euch durch!).

Zuerst lernten wir, dass der Name „Huronen“ keine Eigenbezeichung ist,  sondern die früheren Bewohner ihr Volk Wyandot bzw. Wendat nannten. Der Begriff „Huron“ wurde von den französischen Siedlern verwandt. Die Wendat waren gegenüber dem christlichen Glauben der Franzosen nicht ganz verschlossen und sie ließen die jesuitischen Missionare die Station auf ihrem Land bauen. Mit den „Huronen“ aus dem Werk von James Fenimore Cooper haben die früheren Bewohner des Landes außer dem Namen nichts gemeinsam.

Die Jesuiten als Erbauer der Station, hatten die Sprache der Wendat gelernt und versuchten, ihnen christliche Inhalte in deren eigener Sprache nahe zu bringen und dabei auf Symbolik und Vorstellungswelt der Einwohner zu bauen. Gleichzeitig versuchten sie, ihnen europäische Kenntnisse bei der Metallbearbeitung, der Zimmerei und der Landwirtschaft beizubringen. Da durch die Einwanderer nicht nur Feuerwaffen und nützliche Gegenstände aus Metall, sondern auch Krankheiten aus Europa eingeschleppt wurden, gegen die die Kenntnisse der Heiler keine Mittel hatten, starben viele Wyandot daran. Zwar ging es den Jesuiten um eine Missionierung, aber die christliche Taufe stand dabei ganz am Ende. Erst wer wirklich verstanden hatte, worum es in diesem Glauben ging und aus eigenem Willen die Taufe verlangte, wurde getauft.

Das Museum ist an dem Ort erbaut, an dem die Jesuiten 1639 ihre Ansiedlung errichtet hatten. An einigen Stellen sieht man Ausgrabungen mit den ursprünglichen Grundmauern. Obwohl die Wendat und ihre französischen Verbündeten von den mit den Briten verbündeten Irokesen immer wieder angegriffen wurden, war diese Missionsstation nie direkt angegriffen worden. Aufgrund der kriegerischen und politischen Entwicklungen der damaligen Zeit verließen allerdings die letzten verbliebenen Jesuiten und Wyandot 1649 die Station und brannten sie selbst nieder, bevor sie sich auf dem Wasserweg nach Quebec aufmachten.

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Auf dem Weg nach Westen

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