Cypress Hills und Medicine Hat

In meiner Jugend gab es einen Song, in dem der Begriff ‚Cypress Hills‘ vorkommt. Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob das Lied von Crosby, Stills, Nash & Young, von Bob Dylan, von Joan Baez, von Deep Purple oder wem auch immer war. Aber ‚Cypress Hills‘ blieb in meinen Gedanken und als ich feststellte, dass wir auf unserer Tour in der Nähe vorbeifahren werden, war klar, dass ich dort hin möchte. Vielleicht weiß jemand von meinen Lesern, um welchen Song es sich handeln könnte?

Wer Cypress Hills und Medicine Hat googelt, wird übrigens feststellen, dass es auch Bands mit diesen Namen gibt.

Besuch im Fort Walsh

Um sich der Geschichte von Cypress Hills zu nähern, ist es das Beste, zur Nationalen Gedenkstätte Fort Walsh in der Nähe von Maple Creek (40 km Entfernung) zu fahren. Einmal am Tag gibt es dort eine sogenannte ‚Trading Post Tour‘ (Handelspostentour), bei der man direkt zur Stätte des Massakers gefahren wird und ein Guide die Teilnehmer über die Geschichte informiert.

Auf diese Weise kam ich sogar dazu, in einem echten Schulbus zu reisen. Unser Fahrer war gleichzeitig auch der vom Park angestellte Guide. Seine Geschichte am Ort des Geschehens war (natürlich in Englisch) sehr bildreich. Er führte zuerst die Personen ein, die im Frühjahr 1873 dort am Ufer des Maple Creek lebten. Dazu zählen der Betreiber des Handelspostens Moses Salomon und seine Angestellten, des weiteren gab es den konkurrierenden Handelsposten von Abel Farwell und seiner indianischen Frau Mary sowie weiteren Familienangehörigen und schließlich drei Gruppen (ca. 300 Personen) von Nakoda unter der Führung von Hunka-juk. Die Nakoda hatten eine schlechte Zeit mit Krankheiten und Hungersnöten hinter sich. Sie wollten eigentlich weiter in den Süden ziehen, waren aufgrund des langen Winters aber noch vor Ort. Bei den Handelsposten konnten sich die Menschen der damaligen Zeit mit allem versorgen, was sie zum Leben brauchten, wie Werkzeuge, Nahrungsmittel, Waffen und natürlich Alkohol. Auch die Felle der erlegten Tiere wurden dort gehandelt. In dieser Zeit gab es in den USA die Prohibition (Alkoholverbot), so dass sich Menschen den „Stoff“ in Kanada besorgten.

In der Gegend hielt sich auch eine Gruppe von sogenannten ‚Wolfers‘ auf, die aus dem Süden aus Fort Benton (USA) kamen. Wolfers jagten die Wölfe mit Gift, um deren Pelze nicht zu beschädigen. Bei den Indianern waren sie nicht sonderlich beliebt, da sie ohne deren Erlaubnis in ihrem Land jagten. Im Verlauf des 31. Mai 1873 entstand eine kritische Situation, die nicht zuletzt auf den starken Alkoholgenuss der Beteiligten zurückzuführen war. Einem Händler namens George Hammond aus der näheren Umgebung waren zwei Pferde abhanden gekommen und er verdächtigte die Nakoda, sie ihm gestohlen zu haben. Da der Alkohol nicht die beste Qualität hatte (er wurde aus reinem Alkohol und allen möglichen weiteren Bestandteilen gemischt, um ihn als Whisky zu verkaufen), war seine Wirkung auf die Trinker verheerend. Und trotz der Tatsache, dass zwischenzeitlich seine (?) Pferde gefunden und übergeben worden waren, nahm der betrunkene Hammond am 1. Juni 1873 ein erneutes Weglaufen der Tiere zum Anlass, in das Lager der Nakoda zu gehen, um sich dort zwei Pferde zu holen, obwohl ein Angestellter von Moses Salomon ihm noch hinterher rief, dass die Pferde gefunden worden wären. Die ganze Szenerie spielte sich beidseits des Maple Creek auf einem ziemlich begrenzten Raum ab.

Die Nakoda ihrerseits fühlten sich bedroht und zogen sich in Erwartung eines kommenden Kampfes ihre Kleidung aus. Dies taten sie, um im Falle einer Verletzung eine möglichst glatte Wunde ohne Kleidungseinschlüsse mit Entzündungsfolgen zu bekommen. Das wurde wiederum von den Männern im Handelsposten als kriegerische Ankündigung verstanden und sie bereiteten sich auch auf einem Kampf vor. Zwar versuchte Abel Farwell noch zu schlichten und die Männer vom Kämpfen abzuhalten, da Tote schließlich nicht gut für sein Handelsgeschäft sein würden, doch der betrunkene Hammond, der inzwischen zwei Nakodapferde gegriffen hatte, drehte sich einfach noch einmal um und schoss wahllos auf die Nakodamänner, die ihm gefolgt waren. Daraufhin  wehrten sich diese ihrerseits mit weitaus primitiveren Waffen. Das nahmen die Wolfers und vermutlich auch die Angestellten von Moses Salomon zum Anlass, um gezielt von ihrer geschützten Position aus mit ihren besseren Waffen auf alle Nakoda zu feuern – auch auf die Frauen und Kinder, die ihrerseits versuchten, in den nahen Wald zu flüchten. Später machten sich die Wolfers auf den Weg, um auch diese Menschen zu töten. In einem späteren Gerichtsprozess bezeugten die arrestierten Männer sich gegenseitig die Unschuld. Die auf den Bildern zu sehenden Gebäude sind Nachbauten, denn die originalen Handelsposten wurden wie auch das Lager der Nakoda während des Massakers niedergebrannt.

Die offiziellen Zahlen gehen von mehreren dreißig getöteten Nakoda aus. Die Nakoda selbst schätzen die Zahl der bei diesem Massaker Getöteten als wesentlich höher ein. Auch die Leiden der Überlebenden werden als erheblich dargestellt, was man sich leicht vorstellen kann.

Dieses Ereignis führte dazu, dass ein Gesetz über die Gründung einer Polizeigruppe namens North West Mounted Police, welches sowieso schon im Parlament in Ottawa beschlossen worden war, schneller umgesetzt wurde. Am Maple Creek wurde von Major James Walsh ein Fort für die neue Polizei gegründet, welche die Beziehungen zwischen allen Kanadiern auf gesetzlicher Grundlage regeln sollte.

Aus dieser NWMP, deren Hauptquartier Fort Walsh war, wurde später die Royal Canadien Mounted Police (RCMP), eine Bundespolizei, die ihr Hauptquartier 1885 in die Stadt Regina verlegte und deren ‚Mounties‘ mit ihren roten Jacken, Reiterhosen und Hüten ein echtes Markenzeichen für Kanada sind. Fotos von unserem Besuch dort findet ihr bei Instagram: https://instagram.com/p/BlHgLBeHysE/

Der Besuch des Forts gab einen guten Einblick in die Zeit der Gründung, denn die dort tätigen jungen Menschen hatten nicht nur die Kleidung der damaligen Zeit an, sondern sie agierten auch so. Zum Beispiel wurde ich verhaftet, weil der Mountie-Offizier den Eindruck hatte, ich würde mich über ihn lustig machen und seine Autorität nicht anerkennen. In einem folgenden Prozess wurde unter anderem gespielt, wie Fälle aus der ‚guten alten Zeit‘ (Schlägereien, Verleumdungen) durch diese durchgeführt wurden. Es scheint, als hätten die Mounties seit damals immer noch einen ganz guten Ruf in der Bevölkerung.

Neben dem Fort stehen drei Tepee’s, in denen uns drei Vertreter der First Nations zeigten, wie Dinge des täglichen Bedarfs damals hergestellt wurden. Meine Frage, wie sie zur vom Fort erläuterten Darstellung des Massakers stehen, wurde von einem Mitglied der Nakoda so beantwortet, dass es verschiedene Sichten auf die Ereignisse gibt, aber die dargestellten Zahlen sicher zu niedrig sind im Angesicht der schlechten Waffen der Indianer. Außerdem hob er den negativen Einfluss des Massakers auf das Sicherheitsgefühl der Nachfahren hervor.

Auch die Gebäude des Forts sind keine Originale, sie wurden in den 40er Jahren nachgebaut, um für die RCMP eine Pferdezuchtstation zu haben und in den 80er Jahren an Parks Canada übergeben.

Besuch am weltgrößten Tepee in Medicine Hat

Auf der Weiterreise kamen wir nach einer Stunde Fahrt in Medicine Hat am größten Tepee der Welt vorbei, wo wir einen kurzen Stopp einlegten. In Medicine Hat fanden während der Olympischen Winterspiele in Calgary 1988 einige Wettkämpfe statt. Aus dem Anlass der Spiele setzte sich eine Person namens Amerigo Filanti dafür ein, dass dieses Tepee unter der Beteiligung verschiedener Künstler der First Nations erbaut und gestaltet wurde.

Die 10 runden Darstellungen sind der einheimischen Kultur der First Nations in Nordamerika gewidmet.

Wer näheres dazu (in englisch) lesen möchte, findet hier ein Dokument.

medicine hat tallest tepee

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